Am 1. Mai 926 erlitt die Rekluse Wiborada den Martyrertod durch die in St. Gallen einfallenden Ungarn. Sie hatte ihre vermauerte Zelle an St. Mangen nicht verlassen und war als einzige am Ort zurückgeblieben.
Um 960/970 wurde ihr Leben nach Berichten von Augenzeugen, vor allem Wiboradas Bruder Hitto, der Mönch in St. Gallen war, aufgeschrieben. Der Verfasser dieser Vita war nach glaubhafter Tradition Ekkehart I. von St. Gallen. Um 1075 ist diese älteste «ottonische» Vita in den Stil des XI. Jahrhunderts umgeschrieben worden von dem St. Galler Mönch Herimannus.
Das Buch enthält die kritische Edition dieser beiden vorzüglichen, wenig bekannten lateinischen Lebensbeschreibungen, die für die Geschichte im allgemeinen, die Kirchen-, Literatur- und Kulturgeschichte im besonderen von Interesse sind. Eine deutsche Übersetzung ist als Paralleltext beigegeben. In der Einleitung sind die wesentlichen kult- und literaturgeschichtlichen Fragen, die handschriftliche Überlieferung und die Prinzipien der Edition behandelt.
Die erste Ausgabe der Wiborada-Viten (1983) war Band 51 der Mitteilungen zur Vaterländischen Geschichte des Historischen Vereins St. Gallen. Diese zweite, verbesserte Auflage erscheint zum 1100-jährigen Todesjahr Wiboradas, einer markanten Frauengestalt des ʻEisernen Jahrhundertsʼ (saeculum ferreum), die im alemannischen Raum viel verehrt wurde.