Liber primus
CAPITULA LIBRI SEQUENTISd
Erstes Buch
Kapitelverzeichnis
1Von welchen Eltern die selige Wiborada abstammt, und wie ihr Lebenswandel in den ersten Jahren ihrer Kindheit war.
2Wie lobenswert ihr Name ist.
3Wie eine ihrer Schwestern mit ihren Altersgefährtinnen nicht zum Reigen gehen wollte, weil sie den Gesang der Engel gehört hatte.
4Wie ihr Lebenswandel war, als sie in das verständige Alter kam.
5Wie sie an einem Festtag mit den Eltern zur Kirche gehen und ihr Hauskleid nicht ablegen wollte, wenn sie nicht von jenen dazu gezwungen worden wäre, und daß ihr der Kopf auf dem Weg heftig schmerzte, und daß besonders jener Tag der Anfang war, das Vergängliche nicht mehr zu lieben.
6Davon, daß ihr Bruder Hitto sie die Psalmen lehren sollte und, als er der angefangenen Arbeit überdrüssig war, durch eine Vision getadelt wurde.
7Wie sie am ersten Sonntag der Fastenzeit ihrem Bruder bei der Meßfeier half.
8Wie sie denselben Bruder ermahnte, er solle alles aufgeben und das Mönchsgewand nehmen, wie er zustimmte und zuletzt Priester an der Kirche des heiligen Magnus wurde.
9Welches Ziel sie sich nach der Bekehrung ihres Bruders wählte, und wie der Teufel sie schreckte, als sie nachts zur Basilika ging.
10Wie sie den vom Teufel besessenen Diener einer Frau durch ihre Gebete wieder verständig machte.
11Wie der Teufel ihr den üblen Ruf der Unzucht durch eine ihrer Mägde anheftete, und wie die göttliche Milde ihre Unschuld vor dem Bischof Salomo und einer großen Menschenmenge durch ein Urteil bewies.
12Wie die Rache auf göttliche Weise über dieselbe Magd kam.
13Davon, daß der Bischof Salomo sie nach diesem Urteil so sehr liebte, daß er sie sogar zu Pferd nach Konstanz holen ließ, sie aber das Reiten verschmähte und zu Fuß dort hinging.
14Wie die Rekluse Cilia sie durch göttliche Rede erbauen wollte und ihr ihre Geldbeutel zeigte, um ihren Gehorsam durch Wuchergeschäfte mit ihrem Geld zu erproben.
15Wie dieselbe Cilia neidisch auf die Jungfrau wurde und wie sie den Bischof Salomo ermahnte, daß er sie in Lindau weilen lasse, und wie diese durch eine Vision an dieser Reise gehindert und Cilia nach einigen Jahren aus der Zelle gejagt wurde.
16Wie sie dem besagten Bischof von sich aus in das Kloster des heiligen Gallus folgte, und auf sein Geheiß bei der Zelle des heiligen Georg um der Abgeschiedenheit willen eine kleine Wohnstätte gebaut wurde. Dazu ein kurzes Zwiegespräch über ihren Lebenswandel dort.
17Wie sie im Gebet lag und eine engelgleiche Person neben sich stehen sah und hörte, wie diese den ersten Vers des einundzwanzigsten Psalms dreimal lieblich sang.
18Wie ihr die Wohnstatt bei der Martyrerzelle nicht mehr gefiel, und über die jährliche milde Gabe bei der Brotbrechung mit den frommen Frauen, und wie eine von ihnen auf das Schmerzenslager fiel, weil sie die Liebesgabe verschmähte, und nach den Gebeten jener die Freuden der Gesundheit wieder empfing.
19Wie sie an Pfingsten von Bischof Salomo neben der St. Magnusbasilika eingemauert und bald darauf vom Teufel versucht wurde.
20Wie ihre Badewanne zersprang und sich durch ihre Bitten von selbst wieder zusammensetzte.
21Wie sie am Vorabend des Festes des heiligen Johannes des Täufers den seligen Gallus die Messe feiern sah.
22Wie sie dem heiligen Ulrich voraussagte, daß er einmal Bischof von Augsburg werde und daß er in seiner Amtszeit viele Widrigkeiten erdulden müsse.
23Wie ein Knabe, den der Priester Waldram zu ihr geschickt hatte, von ihr ein gesegnetes Brot erhielt und es irgendeinem, der ihm begegnete, verächtlich weiterschenkte, und ihn deshalb solange vor allen Speisen ekelte, bis er wieder gesegnetes Brot von ihr empfing.
24Wie eine ihrer Mägde vergaß, die Gottesdienstgeräte zu reinigen, und der Herr ihr dies durch eine Vision enthüllte.
25Wie sie sich einen Armen besonders erwählte und ein Dämon in dessen Gestalt sich ihr eines Tages entgegenstellte.
26Davon, daß sie eine Dirne, die ihr Kind getötet hatte, von der [allzu oft] wiederholten Buße abbrachte.
27Wie die selige Rachild zu ihr kam.
28Davon, daß die Eltern der seligen Rachild jene nach Hause holen wollten, und die heilige Wiborada ihnen dies auszureden versuchte, indem sie sagte, daß sie dort auf göttliche Bestimmung hin Rekluse werden müsse.
29Wie die selige Rachild krank und, als sie den Stab der heiligen Wiborada empfing, wieder gesund wurde.
30Wie sich der heilige Gallus der heiligen Wiborada mit zerrissenen Kleidern offenbarte, weil Herzog Burchard das Kirchengut plünderte; wie er dann Wiedergutmachung versprach, als sie ihn heftig dafür tadelte, sich anschließend aber nicht daran hielt, weil er einen Kelch annahm, und wie er darauf in Italien starb.
31Wie sich eines Mittags, als sie sich der Psalmodie hingab, das Buch von selbst zusammenklappte, sie vom Schlaf übermannt wurde und auf göttliche Weise darin die Verwüstung durch die Ungarn erkannte, und wie sie einen gewissen Waldram um Rat fragte, ob sie die Vision bekanntmachen solle, und daß der Abt sie in eine Burg mitnehmen wollte, wohin er seine ganze Habe geflüchtet hatte, sie aber nicht weggehen wollte.
32Wie die Eltern der seligen Rachild sie aus der Zelle holen wollten, und davon, daß die heilige Wiborada ihnen versprach, daß ihrer Tochter nichts Böses geschehen werde, und sie froh wieder nach Hause gingen.
33Wie der Priester Wito nicht an die Verwüstung durch die Ungarn glaubte und, als er sich zu der Burg aufmachte, bei der Rettung eines verschütteten Knaben gläubig wurde.
34Wie die Ungarn in die Zelle eindrangen, mit Feuer und Schwert alles verwüsteten und schließlich zum Haus der Jungfrau kamen, und wie sie ihr am Kopf drei Wunden schlugen und sie halbtot zurückließen.
35Davon daß ihr Blut, das an die Mauer gespritzt war, mehrere Jahre lang nicht weggewischt werden konnte, und wie durch dieses Blut einem Kaufmann das Augenlicht wiedergegeben wurde.
36Wie ihr Bruder kam, um sie zu begraben, aber von der seligen Rachild daran gehindert wurde, und er sich zur Burg aufmachte, dies zu melden.
37Wie der Abt am achten Tage mit seinen Brüdern zum Kloster zurückkehrte, und davon, daß sie am Leib der Martyrin keine Narbe von den Wunden fanden, als sie sie entblößten, um sie zu waschen.
38Wie sie ihren Leib in den Sarkophag heben wollten, es aber wegen der gekrümmten Glieder nicht konnten, und wie er sich dann unter ihren Augen geradestreckte.
39Wie der Abt und die Klostergemeinde kamen, für ihre ewige Ruhe die Messe feierten und sie ehrenvoll ihrem Grab übergaben.
d
Capitula desunt
e
sensatim A; sensatum ex sensatim corr.
f
deest B, cod. Vad. 70, Sang. 610, Basil. D.I.18 et ed. Goldast
g
deest B, cod. Vad. 70, Sang. 610, Basil. D.I.18 et ed. Goldast
h
georigi A.
i
xxx A, quem errorem usque ad finem capitulorum protraxit
k
pro psalmodiae; ita etiam B
l
pressa est · sopore · interpunxit
m
XLIII scripsit A errorem supra notatum prosecutus; numerum oblitus est B, quo facto B numeros capitulorum ad XXXVIII tantum produxit
n
hoc B.
o
lauare B.
p
sarchaphagum A.