BEATA IGITUR
Die selige Jungfrau Wiborada verbannte also, wie wir gesagt haben, auf jede Weise alles Unernste und bemühte sich in solchem Maß, das göttliche Gesetz zu erfüllen, daß sie beinahe täglich — alles andere stellte sie zurück — barfuß zu der vom Hause ihres Vaters weit abliegenden Kirche ging und so ʻzuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeitʼ suchte und dann sich der Arbeit ihrer Hände widmete. Denn ʻsie aß nicht müßig ihr Brotʼ, sondern ʻlebte von der Mühe ihrer Händeʼ. Daher ist sie ʻglücklich, und es wird ihr wohlergehenʼ. Die Gesellschaft von Menschen, nicht nur die Fremder, sondern auch ihrer Bekannten, mied sie, soweit es möglich war. Sie liebte stets die Einsamkeit, da es ihr so leichter war, leerem Gerede zu entgehen und die Schärfe ihres Geistes ungehindert auf heilige Betrachtungen zu wenden. Niemand verehrte seine Eltern ehrfürchtiger, niemand erfüllte gegenüber den Seinen hingebungsvoller die Vorschriften der göttlichen Gebote. Niemand behandelte die von Mangel oder Krankheit Befallenen liebevoller, da sie sie selbst bediente, wenn sie ihnen Speisen reichte und Verbände anlegte, Bäder bereitete, sie selbst schlafen legte und zur rechten Zeit wieder erhob. Die Enthaltsamkeit schätzte sie so sehr, daß sie meistens erst nach zwei, häufiger noch erst nach drei Tagen, und da nur am Abend, das Fasten unterbrach. Da es unserer Beredsamkeit nicht gegeben ist, mit unseren Aufzeichnungen ihr heiliges Leben zu begleiten und darzustellen, wie sie ihren Leib in die Zucht nahm, damit sie es verdiente, eine würdige Heimstatt des heiligen Geistes zu werden, schreiben wir von dem Vielen nur Weniges, von dem Großen nur Geringes und ermahnen diejenigen, die mit einem höheren Verstand begabt sind, daß sie in dem Wenigen die Fülle und im Kleinen das Bedeutende erwägen und so Gott als ʻwunderbar in seinen Heiligenʼ rühmen.
- d
- ex ergo corr.↩
- e
- alta C.↩