IV

BEATA IGITUR UUIborada ut prefati sumus omnimodis petulantiam execrans · in tantum studuit diuinum preceptum implere · ut poene cottidie omnibus postpositis · nudipes ad ęcclesiam quę longe a domo paterna distabat gradiens · Mt 6,33primum quęreret regnum dei et iustitiam eius · et postea operibus manuum suarum se irretiret · Prv 31,27Panem enim otiosa non comedit · sed Ps 127,2labores manuum suarum manducauit · unde beata est · et bene ei erit · Popularem enim frequentiam non p. 401 solum extraneorum · sed etiam notorum prout licuit fugiens secreta semper amabat · quatinus et otiosa uerba facilius posset uitare · et sanctis meditationibus aciem mentis liberius infigere · Parentes nemo reuerentius coluit · nemo ergad suos diuinę legis praecepta deuotius impleuit · nemo inopia morbisque confectos amabilius tractauit · quia ipsa eis alimenta praebens ministrauit · fomenta parauit · balnea contulit · lectisternia disposuit · et ipsa eos reclinauit · et competenti tempore leuauit · Parsimoniam uero in tantum amabat · ut plerumque in p. 402 secunda · quam sepe in tertia die · nisi ad uesperum non ieiunium solueret · Nostrę etenim non est facundię scriptis percurrere eius sanctam conuersationem · et quomodo corpus suum castigauit · ut sancti spiritus dignum fieri habitaculum mereretur · ideo pauca de multis · parua de magnis scribentes · eos qui altiuse sapiunt admonemus · ut in paucis plurima · in paruis maiora pensantes · glorificent Ps 67,36mirabilem deum in sanctis suis ·

Die selige Jungfrau Wiborada verbannte also, wie wir gesagt haben, auf jede Weise alles Unernste und bemühte sich in solchem Maß, das göttliche Gesetz zu erfüllen, daß sie beinahe täglich — alles andere stellte sie zurück — barfuß zu der vom Hause ihres Vaters weit abliegenden Kirche ging und so ʻzuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeitʼ suchte und dann sich der Arbeit ihrer Hände widmete. Denn ʻsie aß nicht müßig ihr Brotʼ, sondern ʻlebte von der Mühe ihrer Händeʼ. Daher ist sie ʻglücklich, und es wird ihr wohlergehenʼ. Die Gesellschaft von Menschen, nicht nur die Fremder, sondern auch ihrer Bekannten, mied sie, soweit es möglich war. Sie liebte stets die Einsamkeit, da es ihr so leichter war, leerem Gerede zu entgehen und die Schärfe ihres Geistes ungehindert auf heilige Betrachtungen zu wenden. Niemand verehrte seine Eltern ehrfürchtiger, niemand erfüllte gegenüber den Seinen hingebungsvoller die Vorschriften der göttlichen Gebote. Niemand behandelte die von Mangel oder Krankheit Befallenen liebevoller, da sie sie selbst bediente, wenn sie ihnen Speisen reichte und Verbände anlegte, Bäder bereitete, sie selbst schlafen legte und zur rechten Zeit wieder erhob. Die Enthaltsamkeit schätzte sie so sehr, daß sie meistens erst nach zwei, häufiger noch erst nach drei Tagen, und da nur am Abend, das Fasten unterbrach. Da es unserer Beredsamkeit nicht gegeben ist, mit unseren Aufzeichnungen ihr heiliges Leben zu begleiten und darzustellen, wie sie ihren Leib in die Zucht nahm, damit sie es verdiente, eine würdige Heimstatt des heiligen Geistes zu werden, schreiben wir von dem Vielen nur Weniges, von dem Großen nur Geringes und ermahnen diejenigen, die mit einem höheren Verstand begabt sind, daß sie in dem Wenigen die Fülle und im Kleinen das Bedeutende erwägen und so Gott als ʻwunderbar in seinen Heiligenʼ rühmen.

d
ex ergo corr.
e
alta C.