Denique beata uirgo post conuersionem
Asketisches Leben zuhause
Es verweilte die selige Jungfrau nach dem Übertritt des Bruders noch sechs Jahre im weltlichen Leben — im Leibe, aber nicht im Willen, äußerlich, nicht innerlich. Da sie sah, wie hinfällig und unbeständig die Welt mit all ihrem Reiz und all ihrer zeitlichen Pracht war, und wie durch ihre Unfestigkeit alsbald schon ihr Untergang drohte, erachtete sie alles Ergötzen dieser schmeichelnden Welt für nichts, wies es zurück, verachtete es und trat es mit Füßen. Und während sie ein äußeres Leben von besonderem Aufwand vorschützte, erfreute sie sich durch die hellen Augen des inneren Menschen immer bei der Betrachtung des Herrn ʻvon Angesicht zu Angesichtʼ. Wer nämlich könnte im Vortrag darlegen, mit welch großer Beherrschung sie ihren zerbrechlichen Körper gegenüber den Lockungen der Welt im Zaume hielt und um des Christusdienstes willen das Fleisch dem Geist unterwarf? Schon war viel Zeit vergangen, daß sie sich den Genuß von Fleisch und Wein versagte, als weder von den Nachbarn noch aus ihrer eigenen Familie jemand etwas anderes vermutete, als daß sie täglich mit verschiedenen Delikatessen tafelte, außer zweien, die ihr vertraut waren, von denen eine Kebini, die andere Pertherad hieß. Diese Schwestern in frommer Verbundenheit blieben lange Zeit gemeinsam im Dienst der heiligen Jungfrau. Sie bereiteten ihr meist recht üppige und wohlschmeckende Speisen, setzten ihr aber auch gemäß ihrer Weisung Kraut oder Gemüse zum Essen vor.
Wenn nun beides aufgetischt war, legte sie oftmals das schon zum Munde geführte Fleisch, das nun zwischen die Zähne hätte geschoben werden sollen, dennoch zurück, auf daß sie durch Enthaltsamkeit beim Fleischgenuß das Fleisch ihres Körpers bezwinge und den Geist stärke. Zufrieden mit einfacherer Nahrung teilte sie die Speise, die ihr zubereitet wurde, an die Armen und vorbeiziehende Fremde aus, denen, wie wir schon sagten, ihre größte Sorge galt, oder auch an das aufwartende Gesinde. Unter dem beständigen Schutze des Gebetes bewahrte sie sich Tag und Nacht vor der Heimtücke des sie bedrängenden Feindes. Sie pflegte nämlich nachts unbemerkt aus dem Hause zu gehen, sich ohne Begleitung zur Kirche zu begeben und dort mit anhaltendem Gebet die Nacht zu verbringen. Wenn beim Untergang der Sonne von allen die Ruhe des Schlafes gesucht wurde, verschmähte sie das Lager, das immer mit aufwendigem Bettzeug geschmückt bereit stand. Wenn die Türen geschlossen waren, breiteten die oben erwähnten Schwestern eine rauhe Decke auf dem nackten Boden aus und legten statt des Kopfkissens einen Stein unter ihren Kopf. Und nachdem sie so ein wenig Schlaf gekostet hatte, und während willkommener Schlaf die Brust der anderen beschwerte, erhob sie sich heimlich und ging zur Kirche.
- y
- uoluptate S A W.↩
- z
- et instabilem Boll.↩
- a
- deffectior A.↩
- b
- coegit A.↩
- c
-
Kebeni Boll. Contra fidem codicis Augustani contulerunt Kelmi Acta SS Maii t. 7, p. 552.↩
- d
-
bertheda A;berthetada W;Bertherada Boll.↩
- e
- cetera suppl. Boll., quam coniecturam Actis Sanctorum Maii t. 7, p. 552 revocaverunt et alia compensaverunt↩
- f
- in se stantis S!↩
- g
- commemorate ex commemorauimus corr.↩
- h
- sternebant A W Boll.↩
- i
- deest S; in marg. suppl.↩