XI (10)

Denique beata uirgo post conuersionem fratris · sex annorum spatio remorata est in saeculo corpore · sed non uoluntatey · ostensione · non intentione · Nempe uidens mundum cum omni sua dulcedine omnique temporali pompa caducum instabilemquez 132ra ipsaque instabilitate defectionema sui iam iamque minitare · pro nihilo pendens omnia oblectamenta blandientis · respuit · contempsit · atque calcauit · Et cum actualem eximio largitatis affectu uitam praetenderet · interioris tamen hominis perspicacibus oculis I Cor 13,12facie ad faciem domini semper iocundatur contemplatione · Nam quis recitando poterit explicare · quanta continentia corpus fragile a mundi illecebris refrenando compesceret · et ob seruitium christi carnem spiritui subiacere coegissetb? Multa etenim tempora transierunt ex quo se ab usu carnium uinique abstinuit · cum nec uicinorum nec aliquis ex ipsius familia aliter suspicaretur quam quod cotidie uariis deliciarum uteretur opulentiis · exceptis duabus quę ei familiares erant · quarum una kebini c altera pertherada d uocabatur · quę pia sodalitate germanę multa tempora in sanctę uirginis ministerio pariter perdurauere · Nam cum plerumque lautiora et delicatiora ciborum alimenta ei praepararentur · cf. Venantius Fortunatus, Vita S. Radegundis c. 4; cf. Dn 1,12 istę ut praemonitę erant aut holera aut legumina ei in cibos attulerunt · Cunque pariter mensę superposita fuissent · sepe ori admotam et quasi dentibus inferendam tamen reiecit carnem · ut per carnis abstinentiam carnem corporis edomando spiritum redderet fortiorem · Vilioribus denique contenta alimentis quę sibi praeparabanture · in cibos pauperum et peregrinorum superuenientium quorum illi maxima ut diximus cura fuit · seu etiam astantis familię erogata sunt · Orationis ergo iugi tutamine se aduersus inimici infestantisf insidias die noctuque muniuit · cf. Venantius Fortunatus, Vita S. Radegundis c. 5Solebat enim noctibus de domo furtim excedere · seque incomitatam ad ęcclesiam conferre · ibique precum iugi instantia pernoctare · Nempe cum solis occubitu somni quies a cunctis peteretur · ipsa lectuli qui semper sumptuosi suppellectilis ornatu pa132rbratus assistebat spreuit accubitum · Io 20,26ianuisque clausis eędem quę supra memoratęg sunt germanę cilicium super nudam humum substernebanth proque capitali saxum aliquod capiti subdiderunt · sicque paululum gustato somno cum gratissimus aliorum pectora sopori grauasset · illa clanculo surgens ęcclesiam petiuit ·

Asketisches Leben zuhause

Es verweilte die selige Jungfrau nach dem Übertritt des Bruders noch sechs Jahre im weltlichen Leben — im Leibe, aber nicht im Willen, äußerlich, nicht innerlich. Da sie sah, wie hinfällig und unbeständig die Welt mit all ihrem Reiz und all ihrer zeitlichen Pracht war, und wie durch ihre Unfestigkeit alsbald schon ihr Untergang drohte, erachtete sie alles Ergötzen dieser schmeichelnden Welt für nichts, wies es zurück, verachtete es und trat es mit Füßen. Und während sie ein äußeres Leben von besonderem Aufwand vorschützte, erfreute sie sich durch die hellen Augen des inneren Menschen immer bei der Betrachtung des Herrn ʻvon Angesicht zu Angesichtʼ. Wer nämlich könnte im Vortrag darlegen, mit welch großer Beherrschung sie ihren zerbrechlichen Körper gegenüber den Lockungen der Welt im Zaume hielt und um des Christusdienstes willen das Fleisch dem Geist unterwarf? Schon war viel Zeit vergangen, daß sie sich den Genuß von Fleisch und Wein versagte, als weder von den Nachbarn noch aus ihrer eigenen Familie jemand etwas anderes vermutete, als daß sie täglich mit verschiedenen Delikatessen tafelte, außer zweien, die ihr vertraut waren, von denen eine Kebini, die andere Pertherad hieß. Diese Schwestern in frommer Verbundenheit blieben lange Zeit gemeinsam im Dienst der heiligen Jungfrau. Sie bereiteten ihr meist recht üppige und wohlschmeckende Speisen, setzten ihr aber auch gemäß ihrer Weisung Kraut oder Gemüse zum Essen vor.

Wenn nun beides aufgetischt war, legte sie oftmals das schon zum Munde geführte Fleisch, das nun zwischen die Zähne hätte geschoben werden sollen, dennoch zurück, auf daß sie durch Enthaltsamkeit beim Fleischgenuß das Fleisch ihres Körpers bezwinge und den Geist stärke. Zufrieden mit einfacherer Nahrung teilte sie die Speise, die ihr zubereitet wurde, an die Armen und vorbeiziehende Fremde aus, denen, wie wir schon sagten, ihre größte Sorge galt, oder auch an das aufwartende Gesinde. Unter dem beständigen Schutze des Gebetes bewahrte sie sich Tag und Nacht vor der Heimtücke des sie bedrängenden Feindes. Sie pflegte nämlich nachts unbemerkt aus dem Hause zu gehen, sich ohne Begleitung zur Kirche zu begeben und dort mit anhaltendem Gebet die Nacht zu verbringen. Wenn beim Untergang der Sonne von allen die Ruhe des Schlafes gesucht wurde, verschmähte sie das Lager, das immer mit aufwendigem Bettzeug geschmückt bereit stand. Wenn die Türen geschlossen waren, breiteten die oben erwähnten Schwestern eine rauhe Decke auf dem nackten Boden aus und legten statt des Kopfkissens einen Stein unter ihren Kopf. Und nachdem sie so ein wenig Schlaf gekostet hatte, und während willkommener Schlaf die Brust der anderen beschwerte, erhob sie sich heimlich und ging zur Kirche.

y
uoluptate S A W.
z
et instabilem Boll.
a
deffectior A.
b
coegit A.
c
Kebeni Boll. Contra fidem codicis Augustani contulerunt Kelmi Acta SS Maii t. 7, p. 552.
d
bertheda A; berthetada W; Bertherada Boll.
e
cetera suppl. Boll., quam coniecturam Actis Sanctorum Maii t. 7, p. 552 revocaverunt et alia compensaverunt
f
in se stantis S!
g
commemorate ex commemorauimus corr.
h
sternebant A W Boll.
i
deest S; in marg. suppl.