XVI (14)

Fama sanctę puellę inter populos crebrescente · diuino amore capti et deuotione largitatis cupidi ueniunt multi offerentes quę necessaria illi fore sperauerunt · de quibus aliquam partem ad usus pauperum cotidie 132vb dispensandam reseruari precepit · partem etiam deuotis fidelibus commendans conseruari fecit · quatenus una die in anno circumquaque de cellis uicinę mulieres congregatę · in amore dei et sanctorum eius lętificarentur · Cunque omnes aduocatę ad cellam sancti georgiia alacriter conuenissent · una earum opulentior cęteris aduenireb renuit · dicens se illius quidem elemosinę indigam nequaquam esse · Cunque hoc sancta uirgo comperisset · et illis feminis quę aderant iniuriosum esse uideretc · ait ad ipsas · Non contristemini sorores · sed cum gratiarum actione benedictionem dei et sanctorum eius gratulantes accipite · cf. Io 16,25 etc.Ueniet enim horad · cum libentissime ad nos ueniree uellet si tunc potuisset · Moxque mulier ipsaf arrepta infirmitate · et maximo dolore in dies confracta · cibum potumque fastidiuit · Cunque magnis cruciata doloribus se penitus deficere crederet · manducareg neque bibere ualensh · aduocans uirum suum causam infirmitatis indicat · At ille carrucai impositam ad famulam dei perduxit · Qua correpta de inobędientia · benedicens panem dedit ei · Quem ut comedit · ilico fugatis doloribus et sanitate recepta gaudens domum regressa est ·

Fromme Frauen um Wiborada

Da der Ruf der heiligen Jungfrau unter dem Volke wuchs, kamen viele, die von himmlischer Liebe erfaßt waren, voll frommer Freigebigkeit und boten ihr Dinge an, von denen sie hofften, daß sie ihr unentbehrlich sein würden. Sie gebot, daß davon ein Teil, der zu Nutzen der Armen täglich verteilt werden sollte, zurückbehalten werde, ließ aber auch einen Teil bei frommen Gläubigen aufbewahren, damit sich einmal im Jahr die benachbarten Frauen ringsum aus ihren Zellen versammeln und in Liebe zu Gott und seinen Heiligen freuen sollten. Und als alle Herbeigerufenen bei der Zelle des heiligen Georg freudig zusammenkamen, verschmähte es eine einzige von ihnen, die reicher als die übrigen war, zu kommen mit den Worten, daß sie keinesfalls ihrer Almosen bedürfe. Als dies die heilige Jungfrau erfuhr und sah, daß es gegenüber den anwesenden Frauen eine Beleidigung war, sagte sie zu ihnen: «Seid nicht betrübt, Schwestern, sondern nehmt mit Danksagung die Segensgabe Gottes und seiner Heiligen gern in Empfang. Denn es kommt die Stunde, wo sie bereitwilligst zu uns kommen wollte, wenn sie es dann nur könnte». Und bald erkrankte die Frau so sehr, daß sie, durch heftigen tagelangen Schmerz gebrochen, Speise und Trank zurückwies. Und als sie von großen Schmerzen gepeinigt glaubte, daß ihre Kräfte vollends schwinden würden, und nichts mehr essen und trinken konnte, rief sie ihren Mann herbei und bekannte ihm die Ursache der Krankheit. Jener aber legte sie auf einen Wagen und führte sie zu der Dienerin Gottes. Nachdem diese sie wegen ihres Ungehorsams getadelt hatte, segnete sie ein Brot und gab es ihr. Als sie es gegessen hatte, verließen sie sogleich die Schmerzen, sie hatte ihre Gesundheit wieder und kehrte voll Freude nach Hause zurück.

a
georij W.
b
venire A W Boll.
c
videretur Boll.
d
hoc Boll.
e
uenire iteravit et delevit
f
Moxque mulier ipsa] mulierque ipsa mox A W Boll.
g
et nec manducare Boll.Uno neque duplicem negationem exprimi posse docet Kühner-Stegmann, Auführliche Grammatik t. 2,2, Hannover 1914, p. 562 sq.
h
valeret Boll.
i
carrucae Boll.